Als Mann mit dunklem, bisher ungefärbtem Haar ist es ein ziemlicher Sprung ins Ungewisse, die Haarfarbe komplett zu ändern, ohne vorher zu wissen, wie das Ergebnis aussieht. Mit Haarfarben-Apps lässt sich die neue Farbe virtuell testen, bevor man im Salon oder mit der eigenen Coloration das Risiko eingeht.
Die Frage ist nur: Wie findet man unter unzähligen Haarfarben-Apps die, die wirklich zuverlässig funktioniert? Die meisten Tests im Netz beziehen sich auf Frisuren von Frauen – aber funktionieren diese Apps auch gut mit einem Buzz Cut oder anderen typischen Männerfrisuren?
Um das zu klären, haben wir 9 Haarfarben-Apps getestet und dabei für jede Anwendung dieselben 9 Testbilder verwendet (3 Frisuren × 3 Lichtbedingungen).
So haben wir getestet
Die Tests wurden unter folgenden Bedingungen durchgeführt:
- 3 unterschiedliche Frisuren: Die Apps wurden mit Buzz Cut, kurzem lockigem Haar und langem welligem Haar getestet, um zu prüfen, ob sie über verschiedene Haarlängen und -texturen hinweg konsistent funktionieren.

- 3 unterschiedliche Lichtbedingungen: Die Apps wurden bei natürlichem Tageslicht, Innenbeleuchtung und schwachem Licht getestet, um zu sehen, wie gut sie mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen umgehen.

- 3 Ziel-Haarfarben: Getestet wurden Blond, Grau und Rot. Blond und Grau zählen für KI-Modelle zu den schwierigsten Farben, während Rot einen sehr kräftigen Farbton darstellt, der für ein realistisches Ergebnis gut abgestimmt sein muss.
9 kostenlose Haarfarben-Apps im Test
Getestete Haarfarben-Apps im Überblick:
1. YouCam Makeup

YouCam Makeup bietet über 150 Farben zur Auswahl. Mit der Farbpalette konnten wir die Haarfarbe anpassen und mit dem Intensitätsregler Blond- und Grautöne feinjustieren. Die Farben wirkten über alle getesteten Frisuren hinweg realistisch, da einzelne Haarsträhnen detailliert erhalten blieben. YouCam Makeup war eine von zwei Apps im Test, die in allen 9 Szenarien gut funktionierte.
Neben dem Echtzeit-Haarfarbenwechsel auf Fotos und per Live-Kamera bietet die App weitere kostenlose Funktionen wie den Frisuren-Test sowie eine KI-Funktion namens AI Agent, mit der sich Fotos per Texteingabe bearbeiten lassen. Die Nutzerführung ist insgesamt übersichtlich und intuitiv.
2. PhotoDirector

PhotoDirector punktet mit ausgereiften Fotobearbeitungsfunktionen. Eine Besonderheit: Frisur und Haarfarbe lassen sich gleichzeitig ändern. Zwar stehen nur 14 voreingestellte Männerfrisuren zur Verfügung, dafür bietet die App eine individuelle Option, mit der sich Frisur und Farbe per KI-Prompt anpassen lassen.
Im Test mit grauem Haar auf einem Buzz Cut bei Innenbeleuchtung lieferte die App ein überzeugendes Ergebnis: Wir haben die KI lediglich gebeten, den Buzz Cut zu erhalten und das Haar grau zu färben. Die Strähnen blieben sichtbar, und die Farbabstimmung wirkte sehr realistisch.
3. Fotor

Den Haarfarbwechsler in Fotor zu finden, dauerte etwas länger als erwartet – er versteckt sich hinter dem AI Hairstyle Changer. Insgesamt stehen nur 9 Farben zur Auswahl, unabhängig vom Geschlecht, ergänzt durch einen automatischen Frisurenwechsler, der Frisur und Farbe gemeinsam anpasst.
Bei langem Haar zeigte Fotor beeindruckend sichtbare Details einzelner Strähnen, selbst bei schlechter Beleuchtung. Mit der Funktion Auto-Frisur 2.0 gelang es uns, blonde Haare für lange, wellige Haare zu erzeugen, wobei die KI die schwache Beleuchtung sichtbar korrigierte. Jeder Vorgang kostet allerdings Punkte. Bei unserem Buzz Cut ließ sich die Farbe zudem nicht ändern, ohne dass die App gleichzeitig die Haare verlängerte.
4. Color Analysis – Dressika
Die Benutzeroberfläche von Dressika ist übersichtlich und einfach zu bedienen. Das besondere Feature: Die App hilft dabei, Farben zu finden, die zum eigenen Hautton passen, gestützt auf Farbspektren im Hintergrund.
Im Test funktionierten Bilder mit leicht seitlich gedrehtem Kopf für Buzz Cuts deutlich besser als die Frontalansicht, bei der der Farbwechsler kaum reagierte. Zudem liefen die Farben bei Buzz Cuts teilweise etwas in den Hintergrund über.
5. Facetune

Facetune zeigt eine starke Fähigkeit, Tiefe im Haar darzustellen. Bei grauem Haar auf kurzen Locken passte die KI die Lockenstruktur sichtbar an die Richtung der Lichtquelle an, was sehr realistisch wirkte.
Kleinere Schwächen im Test: Der Grauton entsprach nicht ganz unseren Erwartungen und wirkte etwas dunkler als gewünscht. Beim Buzz Cut erschien das Haar nach der Farbänderung zudem leicht verlängert, und bei schwacher Beleuchtung erkannte die App den Buzz Cut nur eingeschränkt.
6. MakeupPlus
MakeupPlus konzentriert sich primär auf Make-up-Effekte, bietet aber auch eine Auswahl strukturierter Farben. Im Test funktionierte die App bei Buzz Cuts überraschend gut – der Haaransatz wurde präzise erkannt und realistisch dargestellt. Blond- und Grautöne wirkten dagegen etwas verhalten; auffälligere Farbergebnisse wären hier wünschenswert.
Die Tiefenwirkung bei Haarfarben ist nicht durchgehend perfekt, dafür bietet die App eine breite Farbvielfalt sowie zusätzliche Make-up-Filter.
7. FaceApp
FaceApp eignet sich gut für einen schnellen Check: Foto auswählen, Farbe wählen, fertig. Die Bedienung ist einfach und intuitiv, allerdings sind einige Farben nur mit Abo verfügbar.
Bei Buzz Cuts funktionierte die App im Test grundsätzlich, wobei schlechte Lichtverhältnisse und ein unruhiger Hintergrund die Ergebnisqualität merkbar beeinträchtigten. Am zuverlässigsten lief die App bei Innenbeleuchtung.
8. Facelab
Facelab funktionierte im Test gut bei kurzem Lockenhaar und langem welligem Haar, bei Buzz Cuts war das Ergebnis dagegen weniger überzeugend. Besonders bei helleren Farben wie Blond und Grau war auf kurz geschorenem Haar kaum ein Unterschied erkennbar.
Während der Nutzung können Werbeunterbrechungen auftreten, dafür bietet die App insgesamt eine große Auswahl an Farboptionen und kostenlosen Funktionen.
9. Glowify
Glowify war neben YouCam Makeup die einzige App, die in allen 9 Testszenarien gut funktionierte. Sie passte sich unterschiedlichen Lichtverhältnissen zuverlässig an, sodass die Farben realistisch wirkten.
Besonders bei Buzz Cuts überzeugte die Kantenerkennung: Die KI erfasste den Haaransatz sehr präzise und renderte die Farbe entsprechend. Einschränkend ist die begrenzte Anzahl täglicher Aktionen in der kostenlosen Version.
Fazit
Alle 9 getesteten Apps haben unterschiedliche Stärken – welche App sich am besten eignet, hängt vor allem von der eigenen Frisur und den Anforderungen ab. YouCam Makeup und Glowify waren im Test die einzigen Apps, die über alle 9 Szenarien hinweg konstant gute Ergebnisse lieferten, was sie besonders für kurze Frisuren wie den Buzz Cut zu einer verlässlichen Wahl macht.
Wer speziell langes Haar realistisch einfärben möchte, sollte Fotor in Betracht ziehen; für kurzes, lockiges Haar lieferte Facetune im Test die überzeugendste Tiefenwirkung. Color Analysis – Dressika, MakeupPlus und Facelab punkten dagegen vor allem mit einer besonders großen Farbauswahl, während PhotoDirector, FaceApp und Glowify sich durch eine präzise, KI-gestützte Haarerkennung auszeichnen.
Da sich die Ansprüche je nach Frisur, Lichtverhältnissen und gewünschter Farbe stark unterscheiden, lohnt es sich, die App anhand der eigenen Ausgangssituation auszuwählen statt sich auf eine einzelne "beste" App zu verlassen.
Fragen und Antworten
Wie genau sind Haarfarben-Apps?
Haarfarben-Apps liefern eine gute optische Orientierung, wie ein Farbton auf dem eigenen Gesicht wirken könnte. Sie ersetzen aber keine professionelle Beratung, da Faktoren wie Haarstruktur und die tatsächliche Farbchemie beim echten Färben eine Rolle spielen, die eine App nicht abbilden kann.
Funktionieren die Apps auch bei Buzz Cuts?
Das ist von App zu App unterschiedlich. Im Test funktionierten YouCam Makeup und Glowify bei Buzz Cuts besonders zuverlässig, während Apps wie Facelab bei sehr kurzem Haar deutlich schwächere Ergebnisse lieferten, da weniger Haarfläche zur Erkennung zur Verfügung steht.
Welche Haarfarbe ist am schwierigsten darzustellen?
Blond und Grau gelten als besonders anspruchsvoll, da die KI hier feine Helligkeitsunterschiede und Transparenz realistisch nachbilden muss. Kräftige Farben wie Rot sind technisch einfacher zu rendern, erfordern aber eine gute Farbabstimmung.
Sind Haarfarben-Apps kostenlos?
Die meisten getesteten Apps bieten eine kostenlose Grundversion an, oft mit Einschränkungen bei der Anzahl der täglichen Anwendungen oder der Farbpalette. Einige Farben oder Zusatzfunktionen sind teils nur per Abo freischaltbar.
Beeinflusst die Beleuchtung das Ergebnis?
Ja, deutlich. Im Test lieferten die Apps bei natürlichem Tageslicht und guter Innenbeleuchtung durchgehend bessere Resultate als bei schwachem Licht, da die KI in dunklen Bildern schwerer zwischen Haar und Hintergrund unterscheiden kann.
Kann ich Frisur und Farbe gleichzeitig ändern?
Einige Apps wie PhotoDirector und Fotor bieten diese Kombination an. Damit lässt sich in einem Schritt simulieren, wie eine neue Frisur mit einer neuen Haarfarbe zusammen aussehen würde – besonders hilfreich bei größeren geplanten Veränderungen.
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